Als vollwertiges Konzertinstrument im heutigen Sinne spielt die karnatische Bambusquerflöte erst eine Rolle, seit der legendäre blinde Flötist Sarabha Sastrigal (1872 - 1904) ihre Spieltechnik zur Perfektion entwickelte. Seither haben viele angesehene Musiker die große Ausdrucksfähigkeit und Virtuosität dieses unscheinbaren Instruments für sich entdeckt. Einer interessanten Theorie zufolge war die Flöte - ohne menschliches Zutun - ganz einfach da: Beim Nestbau im Bambusrohr hinterlässt eine bestimmte Hummelart Löcher von einer Größe, die das Erzeugen von Tönen begünstigt. Einer Äolsharfe gleich soll der Wind die verdorrten und derart mit Löchern versehenen Halme im Bambusdickicht zum Erklingen gebracht und so den Bewohnern der Wildnis ihr erstes Instrument beschert haben. Auch andere Hinweise aus alter Zeit deuten darauf hin, dass die Bambusflöte schon früh ein wichtiger Bestandteil aller in Indien anzutreffenden Musikgattungen war. Sie ist nicht auf eine bestimmte Schicht beschränkt, sondern gehört allen: wandernden Barden, Tempelmusikern, Tanz- und Theaterensembles und natürlich den Hirtenstämmen, bei denen Krishna, der liebenswerte schwarze Gott - meist mit einer Flöte als Venugopala dargestellt - aufwuchs. Die technische und stilistische Anpassung des Flötenspiels an die komplexen Erfordernisse der karnatischen Musik geschieht im Einklang mit der Tradition, zu der ein Musiker gehört. Aus diesem Grund genießt die persönliche Lehr- und Gesellenzeit unter einem angesehenen Meister noch heute großes Ansehen. K. S. Gopalakrishnan zählt heute zweifellos zu den führenden Flötisten Indiens.